Deckentraining ohne Leckerlis

Deckentraining ohne Leckerlis

Deinen Hund überall ablegen können

Hunde sind Rudeltiere und nicht gerne alleine, aber auch für uns Hundebesitzer ist es von Vorteil, wenn wir unseren Vierbeiner mitnehmen können, beispielsweise zum Familienessen im Restaurant. Damit das Familienessen auch problemlos und entspannt ablaufen kann, bedarf es davor meist etwas (Decken-)Training.

Um einem Hund beizubringen auf einem zugewiesenen Platz zu bleiben, gibt es viele unterschiedliche Methoden, wobei die meisten davon über Leckerlis aufgebaut werden. In diesem Beitrag möchte ich euch unsere Variante des Deckentrainings zeigen, bei der wir bewusst auf Leckerlis verzichten. Warum wir Leckerlis weglassen, erfährt ihr hier natürlich auch.

Labrador macht Deckentraining auf dem Berg

Unsere Variante des Deckentrainings

Wenn ich mit Jamie Deckentraining mache, weise ich ihm einen bestimmten Platz zu, auf dem er solange bleiben muss, bis ich ihn wieder freigebe. Dabei ist es mir vorerst egal, ob er auf diesem Platz steht, sitzt oder liegt. Ziel ist es, dass er sich dort entspannt, im Idealfall sogar schläft.

Mit etwas Training lässt sich das Deckentraining nicht nur zuhause, sondern auch an unterschiedlichen Orten durchführen, beispielsweise im Gastgarten oder zu Besuch bei Familie oder Freunden.

Warum wir bewusst auf Leckerlis verzichten

Immer wenn Belohnungen im Spiel sind, entsteht eine Erwartungshaltung und diese möchte ich bei meinem Hund  in diesem Setting nicht erzeugen.

Jamie ist ein Labrador und unglaublich verfressen. Würde ich ihm alle paar Minuten ein Leckerli geben, so könnte er sich nie entspannen, geschweige denn würde er jemals schlafen.

Wie schon erwähnt, eignet sich diese Übung super für Restaurantbesuche. Vor dieser Variante haben wir Deckentraining MIT Leckerlis praktiziert. Ich habe es damals nicht sehr appetitlich empfunden, Jamie während des Restaurantbesuchs ständig Leckerlis geben zu müssen. Auch Kauartikel sind nicht immer passend, da diese häufig sehr geruchsintensiv sind und der Hund dabei schmatzt und sabbert (also zumindest mein Labrador). 😉

So wird’s gemacht!

Bei unserer Variante des Deckentrainings geht es darum den Bewegungsradius des Hundes einzuschränken und ihn somit quasi zur Ruhe zu „zwingen“.

Für die ersten Trainingseinheiten zieht ihr eurem Hund am besten ein Geschirr an und leint ihn an, damit er nicht „entwischen“ kann. Nehmt euch eine Decke zur Hilfe, die groß genug ist, dass euer Hund sich entspannt darauf legen kann und platziert diese.

Nun führt ihr euren Hund an der Leine auf den ausgewählten Platz, stellt euch vor ihn und wartet dann, bis er euch ansieht. Alle vier Pfoten des Hundes sollten sich auf der Decke befinden. In dem Moment, in dem er euch einen Blick schenkt, sagt ihr dann euer zuvor ausgewähltes Entspannungswort. Bei uns lautet es „Ruhe“.

Dann dreht ihr eurem Hund den Rücken zu, behaltet die Leine aber noch in der Hand. Anfangs wird euer Hund diesen Platz wieder verlassen wollen. Sobald er das versucht, dreht ihr euch zu eurem Hund um und drängt ihn körpersprachlich auf seinen Platz zurück. Das sollte mit absoluter Ruhe erfolgen. Dann wartet ihr wieder bis euer Hund euch ansieht, wiederholt das Entspannungswort und dreht ihm abermals den Rücken zu.

Jetzt ist Ausdauer gefragt. Je nach Hunderasse und Charakter brauchen manche Hunde länger, andere kürzer, um den zugewiesenen Platz zu akzeptieren.

Bleibt euer Hund schon ein, zwei Minuten auf seinem zugewiesenen Platz, könnt ihr einen ersten Versuch starten die Leine langsam niederzulegen und ein paar Schritte wegzugehen. Schaut den Hund aber nicht an, damit würdet ihr ihn auffordern zu euch zu kommen. Sollte eurer Vierbeiner den Platz wieder verlassen, drängt ihr ihn wieder körpersprachlich zurück bzw. bringt ihn mithilfe der Leine wieder auf seine Decke, falls er schon zu weit weg sein sollte, um ihn zurückdrängen zu können.

Wichtig für das Gelingen des Deckentrainings ist, dass IHR die Übung auch beendet. Dazu stellt ihr euch vor euren Hund und gebt ihm ein klares Auflösungszeichen, zB „OK“ oder ladet ihn körpersprachlich ein, die Decke zu verlassen.

Tipps

Für ein Gelingen der Übung finde ich bestimmte Punkte wichtig.

  • die richtige Umgebung

Der Hund lernt sich nur zu entspannen, wenn er sich sicher fühlt. Anfangs empfehle ich daher nur drinnen zu üben und die Decke in ruhigen Ecken oder zumindest entlang einer Wand zu platzieren. Zu Beginn des Trainings würde ich zu große Ablenkung beispielsweise in Form von Besuch vermeiden. Funktioniert die Übung im Haus, so darf sie gerne draußen fortgesetzt werden.

  • das richtige Timing

Für das Gelingen der Übung ist es wichtig, dass ihr euch anfangs wirklich Zeit nehmt und den Hund sofort wieder körpersprachlich zurückschickt, wenn er die Decke verlässt. Solltet ihr während der Übung den Raum verlassen müssen, könnt ihr die Leine auch irgendwo festmachen.

  • der ausgelastete Hund

Wer mit einem ausgeschlafenen Hund, der eigentlich auf Action wartet, das Deckentraining machen will, wird sich schwer tun. Einfacher ist es, wenn man den Hund davor ausreichend körperlich und geistig auslastet, aber nicht überdreht.

  • Training individuell anpassen

Damit ein Hund lernt an verschiedenen Orten in verschieden Situationen auf seinem zugewiesenen Platz entspannt zu verweilen, gehört das natürlich auch trainiert. Der Schwierigkeitsgrad sollte dabei langsam gesteigert werden. Man beginnt das Training in den eigenen vier Wänden, indem man die Decke zunächst immer am selben Ort platziert. Versteht der Hund worum es geht, kann man beginnen die Decke an unterschiedlichen Plätzen in unterschiedlichen Zimmern zu platzieren. Funktioniert das gut, dann setzt man das Deckentraining draußen fort. Hat euer Hund die Übung mit eurem Entspannungswort verbunden, kann die Decke weggelassen werden.

Deckentraining im Alltag

Deckentraining ist ein Basic, das im Alltag unglaublich hilfreich sein kann. Ich empfehle es besonders Besitzern von Hunden, die zum Stalken neigen und Besitzern von nervösen, rastlosen Hunden, die sich nur schwer selbstständig entspannen können. Durch das Deckentraining hat Jamie gelernt, sich auch von selbst öfter eine Auszeit zu gönnen. Ebenso eignet sich diese Übung, um den Hund nach einem aufregenden Tag oder Erlebnis wieder runterzubringen, bei Besuch von Freunden oder Familie oder Personen, die im Umgang mit Hunden unsicher oder ängstlich sind.